Ich funktioniere – aber wo bin eigentlich ich?
Vielleicht kennst du solche Tage.
Du stehst auf, erledigst, was zu tun ist, beantwortest Nachrichten, kümmerst dich um andere, organisierst, entscheidest und machst weiter.
Von außen betrachtet funktioniert eigentlich alles.
Und vielleicht gibt es trotzdem Momente, in denen du bemerkst:
Wo bin eigentlich ich darin geblieben?
Nicht unbedingt als große Krise. Manchmal ist es nur ein leises Gefühl. Eine Müdigkeit. Eine innere Unruhe. Oder der Wunsch, einfach einmal nichts entscheiden und für niemanden zuständig sein zu müssen.
Vielleicht merkst du auch, dass du sehr genau weißt, was andere brauchen – aber auf die Frage „Und was möchtest du?“gar nicht so schnell eine Antwort findest.
Funktionieren ist nicht grundsätzlich etwas Schlechtes
Funktionieren zu können, ist eine wichtige Fähigkeit.
Es hilft uns, den Alltag zu bewältigen, Verantwortung zu übernehmen und auch in schwierigen Zeiten handlungsfähig zu bleiben.
Manchmal haben wir sehr früh gelernt, aufmerksam zu sein, uns anzupassen, Erwartungen wahrzunehmen oder möglichst wenig Umstände zu machen. Was einmal hilfreich war, kann uns lange begleiten.
Schwierig wird es nicht dadurch, dass wir funktionieren.
Spannend wird die Frage, ob wir dabei noch wahrnehmen können, wie es uns selbst eigentlich geht.
Wenn die eigenen Signale leiser werden
Unser Körper gibt uns oft Hinweise, lange bevor wir bewusst wissen, was wir brauchen.
Vielleicht wird der Atem flacher.
Die Schultern werden fest.
Du spürst Unruhe oder Anspannung.
Du sagst Ja – und bemerkst erst später, dass du eigentlich Nein meintest.
Oder du gehst aus einer Begegnung und merkst erst auf dem Heimweg: Das war mir gerade zu viel.
Solche Momente müssen nicht sofort erklärt oder verändert werden.
Manchmal kann es schon bedeutsam sein, sie überhaupt wahrzunehmen.
Ah, da ist etwas in mir.
Nicht als Bewertung.
Nicht als Aufforderung, es beim nächsten Mal „besser“ zu machen.
Sondern zunächst als Kontakt mit dir selbst.
„Aber ich weiß doch längst, warum ich so bin“
Vielleicht hast du dich schon viel mit dir beschäftigt.
Du kennst deine Geschichte. Du erkennst manche deiner Muster. Vielleicht kannst du sogar ziemlich genau erklären, warum bestimmte Situationen etwas in dir auslösen.
Und trotzdem reagierst du manchmal wieder genauso.
Das kann irritierend sein.
Doch etwas zu verstehen und in einem bestimmten Moment eine andere Wahl treffen zu können, sind nicht dasselbe.
Gerade wenn wir unter Anspannung geraten, können vertraute Reaktionen sehr schnell da sein. Dann braucht es nicht unbedingt noch mehr Wissen über uns selbst.
Vielleicht braucht es zunächst etwas anderes:
wahrnehmen, was gerade geschieht.
Was spüre ich in meinem Körper?
Was passiert, wenn ich einen Moment langsamer werde?
Was brauche ich gerade?
Wo ist meine Grenze?
Und habe ich hier überhaupt eine Wahl?
Bei dir anzukommen bedeutet nicht, immer bei dir zu sein
Für mich bedeutet Selbstkontakt nicht, ständig ruhig, ausgeglichen und ganz klar zu sein.
Auch nicht, immer sofort zu wissen, was richtig ist.
Manchmal bemerken wir unsere Grenze erst hinterher.
Manchmal sagen wir Ja und hätten lieber Nein gesagt.
Manchmal verlieren wir uns im Kontakt mit einem anderen Menschen.
Das gehört zum Menschsein.
Entscheidend ist für mich weniger, uns dafür zu bewerten, sondern die Möglichkeit, wieder mit uns in Kontakt zu kommen.
Vielleicht zunächst nur für einen Augenblick.
Ein bewusster Atemzug.
Die Füße auf dem Boden wahrnehmen.
Bemerken, dass etwas eng oder weit wird.
Einen Moment länger warten, bevor du antwortest.
Aus solchen kleinen Momenten kann mit der Zeit mehr Orientierung entstehen.
Nicht die Orientierung daran, was du tun solltest
Sondern an der Frage:
Was ist für mich gerade stimmig?
Und vielleicht beginnt genau dort etwas Neues
Nicht mit dem Vorsatz, ab morgen besser auf dich zu achten.
Nicht mit einer weiteren Aufgabe auf deiner ohnehin schon langen Liste.
Sondern vielleicht mit Neugier.
Was geschieht gerade in mir?
Manchmal wird daraus ein Nein.
Manchmal ein Ja.
Manchmal die Erkenntnis: Ich weiß es gerade noch nicht.
Auch das darf eine Antwort sein.
Denn bei dir anzukommen bedeutet für mich nicht, einen Zustand zu erreichen, in dem du dich nie wieder verlierst. Es bedeutet vielleicht vielmehr, den Weg zurück zu dir immer wieder wahrnehmen zu können.
Und dir dabei zunehmend die Möglichkeit zu geben, deinen eigenen Weg zu wählen.
Veränderung braucht kein Müssen.
Sie braucht ein eigenes Ja.
Wenn du dir Begleitung dabei wünschst
In meiner Praxis begleite ich Menschen dabei, sich selbst und die eigenen Reaktionen bewusster wahrzunehmen, innere Orientierung zu entwickeln und neue Wahlmöglichkeiten zu erkunden.
Das kann im Einzelsetting geschehen oder im Leuchtturm, meinem körperorientierten Gruppenprozess.
Dabei geht es nicht darum, alles erzählen zu müssen oder etwas Bestimmtes erreichen zu sollen. Du entscheidest selbst, was du teilen möchtest und was für dich stimmig ist.












