Wenn ich auf mich achte – enttäusche ich dann andere?
Wenn ich auf mich achte – enttäusche ich dann andere?
Du merkst, dass dir etwas zu viel wird. Vielleicht möchtest du eine Einladung absagen, eine Bitte ablehnen oder einfach einen Moment für dich haben.
Eigentlich ist dein Bedürfnis klar. Und doch taucht sofort ein zweiter Gedanke auf: Was, wenn die andere Person enttäuscht ist?
Vielleicht sagst du dann doch Ja. Nicht, weil es für dich passt, sondern weil sich ein Nein schwer anfühlt. Später ärgerst du dich über dich selbst – oder fragst dich, warum du so erschöpft bist.
Warum ein kleines Nein so schwer sein kann
Grenzen werden oft so beschrieben, als müsste man nur lernen, sie deutlich auszusprechen. Doch manchmal beginnt die Schwierigkeit viel früher.
Kann ich überhaupt wahrnehmen, was ich möchte? Darf mein Wunsch neben dem Wunsch eines anderen Menschen bestehen? Und was geschieht in mir, wenn mein Gegenüber enttäuscht reagiert?
Wer früh gelernt hat, aufmerksam für die Stimmung anderer zu sein, nimmt die eigenen Bedürfnisse möglicherweise erst spät wahr. Das kann einmal eine wichtige Art gewesen sein, mit Beziehungen umzugehen. Heute kann dieses vertraute Muster auftauchen, obwohl du dir eigentlich etwas anderes wünschst.
Es hilft dann wenig, dir zu sagen: „Ich muss einfach konsequenter sein.“ Vielleicht ist zunächst wichtiger, neugierig zu werden: Was macht mein Nein gerade so schwer?
Bei dir bleiben und in Kontakt bleiben
Ein eigenes Bedürfnis wahrzunehmen bedeutet nicht, dass dir andere Menschen gleichgültig sind. Du kannst verstehen, dass jemand enttäuscht ist, und trotzdem prüfen, was für dich stimmig ist.
Diese Unterscheidung braucht manchmal Zeit. Vielleicht spürst du beim Gedanken an eine Grenze Druck im Brustkorb. Vielleicht wirst du unsicher, suchst sofort nach einer Erklärung oder möchtest dein Nein zurücknehmen.
Solche Momente können eine Einladung sein, kurz innezuhalten. Nicht, um sofort die „richtige“ Antwort zu finden, sondern um wieder mitzubekommen, was in dir geschieht.
Eine Frage könnte sein: „Wenn ich für einen Augenblick niemandem etwas beweisen müsste – was würde ich dann wahrnehmen?“
Vielleicht entsteht daraus noch kein klares Nein. Aber möglicherweise ein erster Moment von Selbstkontakt. Von dort aus kann eine Entscheidung wachsen, die sich mehr nach deiner eigenen anfühlt.
Warum wir das auch in einer Gruppe erkunden
Viele dieser Reaktionen entstehen im Kontakt mit anderen Menschen. Deshalb kann es hilfreich sein, sie auch im Kontakt wahrzunehmen: in einem Rahmen, in dem niemand etwas leisten oder von sich erzählen muss, wozu er nicht bereit ist.
Im Leuchtturm arbeiten wir mit Körperwahrnehmung, Austausch und kleinen Übungen. Du kannst erkunden, wie du auf andere reagierst, wann du dich selbst aus dem Blick verlierst und was dir hilft, wieder Orientierung zu finden. Das geschieht in deinem Tempo und mit Raum für deine Grenzen.
Der Leuchtturm ist ein körperorientierter Gruppenprozess zur Stärkung emotionaler Selbstregulation und Selbstermächtigung. Er ist eine Einladung, dich selbst im Kontakt mit anderen bewusster kennenzulernen.
Vielleicht ist die Frage für diesen Monat nicht: Wie schaffe ich es endlich, Nein zu sagen?
Sondern: Was brauche ich, damit mein eigenes Ja und mein eigenes Nein überhaupt spürbar werden dürfen?
Wenn dich diese Frage begleitet und du den Leuchtturm kennenlernen möchtest, melde dich gern bei mir. Ich erzähle dir, wie die Gruppe gestaltet ist und wir können gemeinsam schauen, ob das Angebot für dich passt.
Herzlich
Nathalie












